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Insulinresistenz – die stille Epidemie

Insulinresistenz Artikelbild

Insulinresistenz ist die Haupt-Krankheitsursache von Typ-2-Diabetes Mellitus und ein Phänomen, mit dem Menschen in Entwicklungs- und Industrieländern immer häufiger konfrontiert sind. Dabei ist das Ansprechen unserer Körperzellen auf Insulin vermindert, was bedeutet, dass Nahrungsenergie in Form von Glukose nicht in den Zellen ankommt.

Was ist Insulin und was hat es für eine Bedeutung für den Körper?

Insulin ist ein anaboles (körperaufbauendes) Hormon, welches von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert wird. Es hilft dem Körper dabei, Zucker in die Zellen zu leiten. Dies dient der Energieversorgung und dem Aufbau neuer Energiespeicher. Am relevantesten sind in diesem Fall die Muskelzellen, das Fettgewebe und die Leber. Die Energiereserven werden mittels Fettaufbau und Bildung von Glykogen geschaffen.

Durch das Einschleusen des Zuckers (Glucose) in die Zellen reduziert sich entsprechend der Blutzuckerspiegel. Glucose ist der Hauptstimulus für eine Insulinausschüttung. Der Gegenspieler von Insulin ist das Hormon Glukagon, welches ebenfalls von der Bauchspeicheldrüse produziert wird und den Blutzuckerspiegel erhöht.

Blutzucker Messung
Eine Blutzuckermessung ist einfach möglich und gibt punktuell Auskunft über den Blutzuckerspiegel.

Wieso misst man nicht Insulin sondern Glucose?

Die Insulinausschüttung variiert im Tagesverlauf und in Abhängigkeit der Nahrungsaufnahme. Durch eine Messung des Blutzuckers kann man ziemlich einfach die Funktion von Insulin testen. Wenn der Blutzucker über einem bestimmten Grenzwert liegt, kann man davon ausgehen, dass der Körper entweder nicht mehr genug Insulin produziert oder aber nicht mehr richtig auf das Insulin reagiert. Mit einer direkten Messung des Insulins kann man nur einen der Fälle bestimmen.

Trotzdem oder gerade deshalb erfreut sich die Insulinmessung immer größerer Beliebtheit. Ein großer Teil der Bevölkerung ist nämlich nicht zuckerkrank, sondern befindet sich in einem prädiabetischen Status. Das heißt ein Diabetes liegt defacto noch nicht vor, bahnt sich aber an. Durch die Messung des Fasteninsulins (Insulinspiegel nach mehrstündigem Fasten, bspw. morgens) lässt sich bestimmen, ob der Körper trotz des fehlenden Stimulus einen zu hohen Insulinspiegel aufweist. Im Falle einer Insulinresistenz ist das der Fall. Wird das prädiabetische Stadium erkannt, kann mit Ernährungs- und Lifestyleumstellungen noch frühzeitig gegengesteuert werden.

Was bedeutet Insulinresistenz?

Wie eingangs bereits erwähnt spricht man von Insulinresistenz, wenn unsere Zellen nicht mehr adäquat auf eine Insulinausschüttung reagieren. Betroffen sind dabei vor allem Muskeln, Fettgewebe und die Leber.

Ein typisches Krankheitsbild, welches sich auf Basis einer Insulinresistenz entwickelt, ist Typ-2-Diabetes Mellitus, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt. Der Körper reagiert mit einer höheren Insulinausschüttung, um die herabgesetzte Reaktion auf das normal ausgeschüttete Insulin auszugleichen – getreu dem Motto „viel hilft viel“. Durch die entstandene Insulinresistenz werden die Zellen, die sonst Glukose aufnehmen, um neue Energiereserven aufzubauen, nicht mehr ausreichend versorgt. Zudem steigt der Blutzuckerspiegel, da der Blutzucker einfach in der Blutbahn verweilt. Das Problem dabei ist, dass sich hoher Blutzucker erstmal nicht bemerkbar macht und still und leise zu Schäden an zahlreichen Organsystemen führt.

Eine akkurate Erklärung für das Entstehen einer Insulinresistenz gibt es bisher leider noch nicht, dennoch kann man festhalten, dass die Entstehung mit Übergewicht einhergeht. Überschüssige Fettpolster im Körper (v.a. Bauchfett) produzieren dabei Hormone, die dafür sorgen, dass das Gewebe nicht mehr so gut auf Insulin reagiert. Außerdem spielen die erbliche Veranlagung, Bewegungsmangel und chronischer Stress eine wichtige Rolle in der Pathogenese.

Bauchumfang Metabolischessyndrom
Der Bauchumfang ist ein Maß für das abdominelle Fett und damit ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung eines Diabetes Mellitus.

Diabetes Mellitus – die Zuckerkrankheit hat viele Gesichter

Diabetes mellitus ist bekanntlich eine Stoffwechselerkrankung, die mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel verbunden ist. Nur die wenigsten Leute wissen, dass es vier unterschiedliche Typen gibt, die verschiedene Ursachen haben.

  • Typ 1: Autoimmune Zerstörung der Bauchspeicheldrüsenzellen, welche Insulin produzieren
  • Typ 2: früher auch „Altersdiabetes“ genannt, häufig genetisch bedingt und durch Fettleibigkeit begünstigt
  • Typ 3: verschiedene spezifische Diabetesgruppen
  • Typ 4: Schwangerschaftsdiabetes

Typ-1-DM tritt meistens im Kindesalter auf, hat eine starke genetische Komponente und wird durch eine autoimmun bedingte Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse verursacht. Der Körper hat hierbei kein Insulin zur Verfügung, weshalb sich Betroffene regelmäßig Human-Insulin spritzen müssen.

Sehr viel häufiger und weithin bekannt ist Typ 2. Auch hier spielt die erbliche Veranlagung eine Rolle, allerdings sind Lifestyle-Faktoren (v.a. Übergewicht) mitentscheidend. Wie du bereits weißt, ist Insulin dafür verantwortlich Zucker in die Zellen zu schleusen. Wenn es ein großes Zuckerangebot gibt, wird viel Insulin benötigt. Der Zuckerüberschuss entsteht meist durch zu viel Nahrungsaufnahme und vor allem zuckerhaltige bzw. fetthaltige Lebensmittel.

Wieso ist eine Insulinresistenz ungesund?

Zuerst einmal ist eine Insulinresistenz ein sehr starker Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes mellitus. Diabetes ist für eine große Bandbreite an möglichen Komplikationen an verschiedenen Organen verantwortlich: an der Niere, am Auge, am Nervensystem und kann für einen diabetischen Fuß sorgen.

Das Hauptproblem ist die Folge der Resistenz: ein permanent erhöhter Insulinspiegel im Blut. Durch das Insulin wird mehr und mehr Nahrung direkt in Fett umgewandelt und entzündliche Prozesse können einsetzen. Weiters kann die Leber verfetten, was wiederum den Hormonhaushalt beeinflusst: Frauen bilden dann beispielsweise viel Testosteron, Männer weniger. Dies hat weitere Probleme zur Folge. Zudem ist Insulin ein Wachstumshormon und kann entsprechend auch das Wachstum von Krebszellen begünstigen.

Spaziergang Bewegung Fitness
Regelmäßige Spaziergänge oder kurze Wanderungen verbessern den Zuckerhaushalt in unserem Körper maßgeblich.

Wie kann ich die Insulinresistenz bekämpfen?

Grundsätzlich kannst du erstmal die Punkte, die zu einer Insulinresistenz führen, umkehren. Am wichtigsten ist hier wohl, das Überangebot an Nahrung zu reduzieren. Das bedeutet, nur so viele Kalorien aufzunehmen, wie du täglich auch verbrennst. Zudem lohnt sich körperliche Aktivität wie zahlreiche Studien beweisen konnten. Auch hier musst du nicht zum Marathonläufer werden oder die Tour de France fahren. Es genügt kleine Veränderungen vorzunehmen: fange an tägliche Spaziergänge auf die To-do-Liste zu setzen, statt dem Lift die Treppe zu benutzen oder fahre mit dem Rad zur Arbeit. Am Ende dankt dir nicht nur dein Körper, sondern auch das Portemonnaie und die Umwelt.

Wie kann ich meinen Insulinspiegel niedrig halten?

Generell müssen Kohlenhydrate erstmal verdaut bzw. aufgespalten werden, um in Form von Glucose in das Blut aufgenommen zu werden. In diesem Zusammenhang ist es durchaus logisch, dass kurzkettige bzw. einfache Kohlenhydrate schnell für einen Anstieg des Blutzuckerspiegels sorgen, da die Aufspaltung rasch abgeschlossen ist. Die Folge ist ein steiler Anstieg der Insulinausschüttung, um den Blutzuckerspiegel wieder in geregelte Bahnen zu lenken.

Solche einfachen Kohlenhydrate verstecken sich in verarbeiteten Lebensmitteln, Süßigkeiten und Süßgetränken. Typischerweise sind das Lebensmittel, die als Snacks dienen und nicht satt machen. Greife also lieber zu vollwertiger Kost und komplexeren Kohlenhydraten. Diese findest du in natürlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse oder Vollkornprodukten. Durch diese Umstellung gibt es einen langsamen und kontrollierten Anstieg des Blutzuckerspiegels und die Insulinpeaks bleiben aus.

Was ist der glykämische Index und was sagt er aus?

Der glykämische Index beschreibt die Auswirkung von Lebensmitteln auf den Blutzuckerspiegel.

Ein hoher glykämischer Index beschreibt einen schnellen und starken Anstieg des Blutzuckerspiegels, ein niedriger Wert hingegen bedeutet, dass ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lässt.

Der Referenzwert wurde mit Traubenzucker auf 100% festgelegt. Diese 100% bedeuten, dass der Blutzuckeranstieg am größten ist, nachdem man Traubenzucker konsumiert hat.

Tatsächlich hat nicht nur das Ausgangsprodukt Einfluss auf den glykämischen Index sondern auch die Verarbeitung und Erhitzung von Lebensmitteln. Schauen wir uns das Beispiel Kartoffeln an: Je nachdem ob als Salzkartoffel, Pommes oder Kartoffelpüree zubereitet, hat das Endprodukt einen unterschiedlichen glykämischen Index. Salzkartoffeln haben in dem Fall den niedrigsten, da der Verarbeitungsgrad gering ist.

Der glykämische Index beschreibt die Qualität der Kohlenhydrate – für die Insulinausschüttung ist die glykämische Last, der Indikator, der auch die Menge an Kohlenhydraten berücksichtigt, noch etwas aussagekräftiger.

Glykämischerindex Kohlenhydrate
Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte zählen zu den Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index. Sie eignen sich besonders für Menschen mit Prädiabetes oder zur Vorbeugung der Zuckerkrankheit.

Ist die Insulinresistenz der Grund oder eine Folge des Alterns?

Eine aktuelle Studie der Universitäten Katowice und Posen haben sich mit dem Henne-Ei-Problem der Blutzuckerforschung auseinandergesetzt.

Grundsätzlich ging es um den Zusammenhang von oxidativem Stress und Insulinresistenz. Oxidativer Stress wird bekanntlich mit Altern und der Entstehung vieler Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Krebs in Verbindung gebracht. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel sorgt für ein erhöhtes Stresslevel. Somit ist die Überlegung gut begründet, dass durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel, der mit einer Insulinresistenz einhergeht, auch die Zellen einem erhöhten Alterungsdruck ausgesetzt sind.

Kann Insulinresistenz aber nicht einfach die Folge vom Altern sein? Logisch scheint auch diese Denkweise, da jedes Organ im Alter natürlicherweise an Funktion einbüßt. Somit auch die Bauchspeicheldrüse, welche Insulin produziert und alle Rezeptorzellen, die auf Insulin reagieren.

Untersucht wurden 86 Menschen ohne nennenswerte Vorerkrankungen in zwei Gruppen: Insulin-sensitiv und Insulin-resistent. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Insulinresistenz nicht Grund für das Altern ist.

Literatur:

Grafiken:

Die Bilder und Grafiken wurden unter der Lizenz von Canva erworben.

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Über Joshua Heyne

Joshua hat kürzlich sein Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen. Auch in seiner Freizeit beschäftigt er sich mit dem Thema Gesundheit, liest gerne wissenschaftliche Studien und pflegt einen aktiven Lebensstil. Als Content Creator möchte er einen Beitrag zum Gesundheitsbewusstsein der Gesellschaft leisten. Bild: (c) Foto- und Bilderwerk