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News – Januar 2021

1. NMN und das Auge, 2. Neuigkeiten von NMN und dem NAD+-Stoffwechsel, News Januar 2021

In der Rubrik ‚News‘ finden Sie monatsaktuell aufbereitete, rezente wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Anti-Aging-Bereich. Bleiben Sie mit MoleQlar am Puls der Zeit. Der Monat Januar wartet auf mit spannenden Neuigkeiten von der Rolle von NMN innerhalb des NAD+ Stoffwechsels. Weiters berichten wir von einer Studie, die ein bezeichnendes Streiflicht auf das Thema NMN und das Auge wirft.

NMN und das Auge

Neue Erkenntnisse gibt es von chinesischen Forschern, die in einer Studie neuroprotektive Wirkungen und Wirkmechanismen von NMN in einem photorezeptordegenerativen Modell der Netzhautablösung untersucht haben. Photorezeptoren dienen der Wahrnehmung von Lichtreizen, befinden sich in der Netzhaut des menschlichen und tierischen Auges und sind damit unerlässlich für die Sehfähigkeit. Diese Photorezeptoren können bei bestimmten Krankheiten wie der Netzhautablösung degenerieren, in der Folge absterben und zur Blindheit führen. Zur Degeneration kommt es größtenteils auch altersbedingt. Bis dato hat sich keine medikamentöse Therapie als wirksam bei der Behandlung der Photorezeptordegeneration bei PatientInnen erwiesen. Auf Basis dieser Tatsache haben die ForscherInnen das Molekül Nicotinamid-Mononukleotid (NMN), einem NAD+-Vorläufer und seine mögliche Wirkung als neuroprotektivem Stoff analysiert. Neuroprotektion ist dabei der Versuch, Nervenfasern und -zellen durch u. a. molekularbiologische Methoden vor dem Absterben zu bewahren. In der vorliegenden Studie wurde NMN in gewichtsadaptierter Dosis in vivo an Augen von Mäusen und in vitro an 661W-Zellen (Photorezeptorzellen der Maus) untersucht. Die Ergebnisse werden von den Autoren als vielversprechend bezeichnet. Zahlreiche molekulare Parameter konnten verbessert werden und damit in der Folge die Entzündung abgeschwächt und der Tod von Photorezeptorzellen gehemmt werden. Dadurch wird ein allgemeiner Schutz der Netzhaut erreicht. Zudem ist bemerkenswert, dass bei den Versuchsobjekten ursprünglich kein NAD+-Mangel herrschte. NAD+ ist das Molekül, dessen Menge durch NMN als Vorläufer gesteigert wird. Die Studie wird von den AutorInnen als ein erster und wichtiger Schritt in Richtung eines therapeutischen Weges zur Behandlung der Degeneration von Photorezeptorzellen und ihren verheerenden Folgen für den Menschen gesehen.

Quelle:
Chen X, Amorim JA, Moustafa GA, Lee J, Yu Z, Ishihara K, Iesato Y, Barbisan P, Ueta T, Togka KA, Lu L, Sinclair DA, Vavvas DG. Neuroprotective effects and mechanisms of action of nicotinamide mononucleotide (NMN) in a photoreceptor degenerative model of retinal detachment. Aging (Albany NY). 2020; 12:24504-24521.
https://doi.org/10.18632/aging.202453

Neuigkeiten vom NMN und dem NAD+-Stoffwechsel

Eine Behandlung mit Nicotinamid Mononukleotid (NMN) zeigte sich in zahlreichen Studien als funktionierende Strategie, um den altersbedingten Rückgang der NAD+-Spiegel anzugehen. Das dient der Aufrechterhaltung von Aspekten der Gesundheit im späten Leben. Nach derzeitigem Forschungsstand wird angenommen, dass von außen zugeführtes NMN bei Säugetieren über den Recyclingweg (salvage pathway) direkt in NAD+ eingebaut wird. Eine neue Studie von Lynn-Jee Kim (UNSW Sydney) und KollegInnen könnte diese Vorstellung nun verändern. Dabei wurde NMN mit radioaktiven Stoffen (Isotopen) markiert, damit der Weg der Moleküle innerhalb des Organismus nachvollzogen werden kann. Als Versuchsobjekte fungierten Mäuse. Diese Isotopenmarkierungsstudien zeigten, dass eine NMN-Zufuhr die Produktion von NAD-Metaboliten stark erhöhte. Das bestätigt soweit nur bekannte Forschungsergebnisse. Neu war allerdings, dass das markierte NMN die Produktion von nicht-markierten NAD-Metaboliten steigerte, was widerrum bedeutet, dass das NMN nicht wie bis dato angenommen direkt eingebaut wird – zumindest nicht hauptsächlich. Den Mäusen wurde das NMN oral, sprich über den Mund verabreicht.
In einem weiteren Versuch wurde eine Kohorte von Mäusen vorher mit Antibiotika behandelt, um die Bakterien im Darm (Mikrobiom) soweit wie möglich abzutöten. Eine darauffolgende Behandlung mit NAD+ Vorläufern wie NMN resultierte in einer noch höheren Anzahl an körpereigenen NAD+ Stoffwechselprodukten.
Die Ergebnisse sind jedenfalls bemerkenswert, da sie gegen das bis dato angenommene Modell eines direkten Einbaus der NAD+ Vorläufer sprechen. Stattdessen können die Ergebnisse darauf hindeuten, dass die Behandlung mit beispielsweise NMN indirekt die körpereigene NAD+ -Biosynthese ankurbeln könnte. Der Mechanismus für die Forschungsergebnisse ist allerdings noch nicht klar. Die AutorInnen vermuten aufgrund der erstaunlichen Resultate des Antibiotika-Versuchs, dass das Darmmikrobiom dabei eine Rolle spielt.

Quelle:
PREPRINT: Lynn-Jee Kim, Timothy Chalmers, Greg Smith et al. Nicotinamide mononucleotide (NMN) deamidation and indirect regulation of the NAD metabolome. 2020. PREPRINT (Version 1) available at Research Square
https://doi.org/10.21203/rs.3.rs-87047/v1
Ein Preprint, auch Vorab-Publikation, ist eine wissenschaftliche Publikationen, die zwar schon der (Fach-) Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, aber noch nicht in einem Peer Review-Verfahren begutachtet wurde. (Wikipedia)

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