Zirkadianer Rhythmus

Zirkadianer Rythmus

In der heutigen schnelllebigen Welt übersieht man leicht die Bedeutung der natürlichen Prozesse, die im Hintergrund unseres täglichen Lebens ablaufen. Einer dieser Prozesse ist der zirkadiane Rhythmus, der eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden spielt.

In diesem Blogbeitrag werden wir tiefer in das Konzept des zirkadianen Rhythmus eintauchen, seine Bedeutung für unseren Schlaf und unsere Gesundheit erläutern und einige Beispiele und Störungen dieses faszinierenden biologischen Phänomens vorstellen.

Zirkadianer Rhythmus: Definition

Der zirkadiane Rhythmus (circadianer Rhythmus), abgeleitet vom lateinischen „circa“ (ungefähr) und „diem“ (Tag), ist ein natürlicher, innerer Prozess, der den biologischen Lebenszyklus lebender Organismen auf etwa 24 Stunden reguliert. Dieser Rhythmus findet sich in fast allen lebenden Organismen, einschließlich Menschen, Tieren, Pflanzen und sogar einigen Mikroorganismen.

Diese innere Uhr steuert eine Vielzahl biologischer Funktionen, darunter:

  • Schlaf-Wach-Zyklen: Der zirkadiane Rhythmus bestimmt unsere Schlafmuster, indem er unseren Körper darauf vorbereitet, zu bestimmten Tageszeiten wach oder müde zu sein. Dies ist der Grund, warum die meisten Menschen nachts schlafen und tagsüber wach sind.
  • Hormonproduktion: Verschiedene Hormone wie Cortisol und Melatonin werden durch den zirkadianen Rhythmus gesteuert. Cortisol, das „Stresshormon“, wird normalerweise morgens ausgeschüttet, um uns auf den Tag vorzubereiten, während Melatonin, das „Schlafhormon“, nachts ausgeschüttet wird, um uns beim Einschlafen zu helfen.
  • Stoffwechselprozesse: Der zirkadiane Rhythmus beeinflusst auch unsere Essgewohnheiten und die Verdauung. Es steuert, wann wir hungrig sind und wann unser Körper Nahrung verdaut.

Der circadiane Rhythmus im Menschen

Der zirkadiane Rhythmus ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Unsere innere Uhr koordiniert eine Vielzahl geistiger und körperlicher Systeme im Körper, darunter den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Hormonproduktion, die Verdauung und sogar unsere Immunantwort.

Störungen des zirkadianen Rhythmus, etwa durch Schichtarbeit, Jetlag oder bestimmte Krankheiten, können zu einer Reihe gesundheitlicher Probleme führen, darunter Schlafstörungen, Stoffwechselstörungen und eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Nach einer kurzen Nacht fällt es dem Körper schwerer den Blutzucker stabil zu halten. Aus diesem Grund ist es wichtig, einen gesunden Lebensstil zu führen, der unseren natürlichen Tagesrhythmus unterstützt.

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Ein circadianer Rhythmus Beispiel

  • Schlaf-Wach-Zyklus: Dies ist wahrscheinlich das bekannteste circadianer Rhythmus Beispiel. Unser Körper nutzt Lichtsignale, um zu bestimmen, wann wir schlafen und aufwachen sollen. Bei Dunkelheit signalisiert unser Gehirn die Ausschüttung von Melatonin, was uns schläfrig macht, und bei Tageslicht ist die Melatoninproduktion reduziert, was uns beim Aufwachen hilft.
  • Blütenöffnungen: Auch viele Blüten folgen einem zirkadianen Rhythmus und öffnen und schließen sich zur richtigen Tageszeit.
  • Hormonproduktion: Verschiedene Hormone in unserem Körper, darunter Cortisol und Melatonin, folgen einem zirkadianen Rhythmus.
  • Menstruationszyklus: Obwohl der Menstruationszyklus länger als einen Tag dauert, wird er auch von zirkadianen Rhythmen beeinflusst.

Zirkadianer Rhythmus & Schlaf

Der zirkadiane Rhythmus spielt eine entscheidende Rolle für unseren Schlafrhythmus. Er fungiert wie eine innere Uhr, die unseren Schlaf-Wach-Rhythmus steuert und bestimmt, wann wir uns wach oder müde fühlen.

Die Grundlage dieses Rhythmus liegt in einer Region unseres Gehirns, die als suprachiasmatischer Kern (SCN) bekannt ist. Zu finden ist dieser direkt hinter den Augen, so dass auch bei geschlossenen Lidern Licht zum SCN durchdringen kann. Wenn es dunkel wird, signalisiert der SCN unserem Körper, das „Schlafhormon“ Melatonin auszuschütten, das uns schläfrig macht. Wenn es wieder hell wird, wird die Melatoninproduktion reduziert und wir wachen auf.

Unser Schlaf-Wach-Rhythmus ist jedoch nicht nur vom Licht abhängig. Es wird auch von einer Vielzahl anderer Faktoren beeinflusst, darunter unseren Genen, unserem Alter, unserer Ernährung und unserem Aktivitätsniveau. Beispielsweise neigen ältere Menschen dazu, früher zu Bett zu gehen und früher aufzustehen, während Jugendliche und junge Erwachsene eher „Nachteulen“ sind, die spät zu Bett gehen und später aufstehen.

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Zirkadianer Rhythmus & Hormone

Der zirkadiane Rhythmus und die Hormonproduktion sind eng miteinander verbunden. Verschiedene Hormone in unserem Körper folgen einem zirkadianen Rhythmus, darunter das Stresshormon Cortisol, das Schlafhormon Melatonin und das Wachstumshormon.

Der suprachiasmatische Kern (SCN) in unserem Gehirn ist der Hauptkoordinator dieses Rhythmus. Das SCN empfängt Lichtsignale von unseren Augen und nutzt diese Informationen, um unseren zirkadianen Rhythmus zu regulieren.

Um dir ein Beispiel zu geben: Es ist 7 Uhr morgens, die ersten Sonnenstrahlen durchdringen deine Augenlider und diese Signale werden vom suprachiasmatischen Kern aufgenommen. Dieser wird aktiv und sendet Signale an die Hirnanhangsdrüse, die Hypophyse, welche wiederum das Adrenocorticotrope Hormon (ACTH) ausschüttet. Über die Blutbahn gelangt dieses zu deiner Nebennierenrinde, wo das „Stresshormon“ Cortisol ausgeschüttet wird. In der Regel geschieht dies einmal morgens extrem stark, es kommt zu einem Peak an Cortisol, der dich gut durch den Tag bringen soll. Das Wachstumshormon folgt ebenfalls einem zirkadianen Muster, wobei die Konzentrationen im Laufe des Tages variiert.

Die zirkadiane Schlaf Wach Rhythmusstörung

Störungen des zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus sind eine Gruppe von Schlafstörungen, die durch ein Missverhältnis zwischen dem inneren zirkadianen Rhythmus einer Person und der äußeren Umgebung gekennzeichnet sind. Das bedeutet, dass der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers nicht mit dem Tag-Nacht-Rhythmus der Umgebung übereinstimmt.

Es gibt verschiedene Arten von Störungen des zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus, darunter die verzögerte Schlafphasenstörung (Menschen können erst in den frühen Morgenstunden einschlafen und haben Schwierigkeiten, morgens aufzuwachen) und die vorzeitige Schlafphasenstörung (Menschen schlafen sehr früh am Abend ein und wachen sehr früh am Morgen auf) und die „Non-24“ Stunden-Schlaf-Wach-Störung (der Schlaf-Wach-Rhythmus verschiebt sich jeden Tag um einige Minuten bis Stunden).

Zu den Symptomen dieser Störungen können Einschlafstörungen, übermäßige Schläfrigkeit während des Tages, Schwierigkeiten beim Aufwachen und Konzentrationsprobleme gehören.

Die Ursachen für Störungen des zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus können genetisch bedingt sein oder durch Faktoren wie Schichtarbeit, Jetlag, schlechte Schlafhygiene, bestimmte Medikamente oder Krankheiten verursacht werden.

Die Behandlung variiert je nach Art der Störung und den individuellen Umständen der Person. Dazu kann eine Kombination aus Lichttherapie (Einwirkung von hellem Licht zu bestimmten Zeiten, um den zirkadianen Rhythmus „zurückzusetzen“), Chronotherapie (schrittweise Anpassung des Schlaf-Wach-Rhythmus), Medikamenten und Verhaltensänderungen (z. B. Verbesserung der Schlafhygiene), gehören.

Schlussfolgerung und Fazit

Um eine gesunde zirkadiane Rhythmik aufrechtzuerhalten, ist es wichtig, einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus aufrechtzuerhalten, tagsüber ausreichend natürliches Licht zu bekommen und auf eine gute Schlafhygiene zu achten.

Insgesamt spielt der zirkadiane Rhythmus eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Ein besseres Verständnis dieser Rhythmen und wie wir sie unterstützen können, kann dazu beitragen, unsere allgemeine Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern.

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