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Tee – einfach, vielfältig, gesund

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Tee – so einfach und doch so vielfältig. Mit heißem Wasser aufgebrühte Blätter, Knospen, Wurzeln, Stängel oder Früchte. Grüntee, Schwarztee, Kräutertee, Früchtetee und viele mehr. Je nach Region und Tradition unterschieden sich Zubereitungsarten, Trinkkulturen und Zeremonien. Während bei uns in den Teeregalen Sorten wie Winterzauber, heiße Liebe oder Magenfein zu finden sind, gelten in vielen alteingesessenen Teeregionen nur schwarzer und grüner Tee als wahrhaftige Version. Diese werden aus der Pflanze Camellia sinensis gewonnen und unterscheiden sich nur durch verschiedene Herstellungsarten. Im diesem Artikel schauen wir uns erstmal diese „klassischen“ Teesorten und ihre gesundheitliche Wirkung an.

Herstellung und Inhaltsstoffe

Der Geschmack von grünem und schwarzem Tee unterscheidet sich maßgeblich, obwohl beide Sorten ihren Ursprung in der gleichen Pflanze haben. Zunächst werden die geernteten Blätter getrocknet. Der entscheidende Schritt ist das anschließende Rollen und die Fermentation. Beim Rollen werden die Zellwände aufgebrochen, um die Inhalte der Pflanzenzelle freizusetzen. Bei der Fermentation oxidieren die Teeblätter. Bei Schwarztee handelt es sich um vollständig oxidierte und vorher gerollte Blätter, grüner Tee wird hingegen überhaupt nicht fermentiert.

Die verschiedenen Fermentationsstufen haben eine große Auswirkung auf die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe im Tee. Wie du sicher weißt, hat Tee auch einen hohen an Koffeingehalt.

In der Trockenform hat er zwar einen höheren Gehalt als Kaffee, da er aber meist mit mehr Wasser aufgegossen wird, verringert sich der Anteil im aufgebrühten Getränk.

Genau wie Kaffee (mehr dazu in diesem Artikel) hat auch Tee Tausende verschiedene Inhaltsstoffe, die in Wechselbeziehungen verschiedene Wirkungen auf unseren Körper haben. Schauen wir uns zunächst die wichtigsten Inhaltsstoffe des Tees an.

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Je nach Pflanze und Zubereitungsart lassen sich hunderte Teesorten mit unterschiedlichem Geschmack unterscheiden. Bild: shutterstock.com/Shulevskyy Volodymyr

Koffein

Koffein im Tee wird oft auch als Teein bezeichnet. Der Grund dafür ist die lange herrschende Annahme, dass es sich bei den aktiven aufmunternden Substanzen im Tee und im Kaffee um unterschiedliche, aber doch verwandte Stoffe handelt. Tatsächlich sind die Stoffe in Tee und Kaffee chemisch gesehen gleich und unterscheiden sich nur dadurch, dass sie in der Pflanze anders gebunden sind. Während Koffein im Kaffee schon im Magen freigesetzt und absorbiert werden kann, erfolgt die Freisetzung des Koffeins bei Tee erst im Darm. Dadurch wirkt es erst später, dafür aber länger.

Polyphenole

Dass das Koffein erst später aufgenommen werden kann, liegt an den Polyphenolen. Diese binden das Koffein, wodurch es erst im Darm freigesetzt wird. Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die die Pflanzen selbst vor Fressfeinden, UV-Beschädigung und oxidativem Stress schützen. Es gibt sehr viele verschiedene Moleküle, wovon im Tee je nach Sorte einige in unterschiedlicher Konzentration vorkommen. Zwei Gruppen davon schauen wir uns nun etwas genauer an.

Catechine

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Tee wird hauptsächlich den Catechinen zugeschrieben. Sie sind Antioxidantien und mindern die negativen Auswirkungen von oxidativem Stress in unseren Zellen (mehr dazu bei Antioxidative Wirkung). Allerdings kommen Catechine hauptsächlich im unfermentierten, grünen Tee vor. Catechine sind zwar ursprünglich auch Bestandteile des schwarzen Tees, durch die Fermentation verwandeln sie sich aber in Theaflavine.

Theaflavine

Theaflavine sind durch die Fermentation hauptsächlich im schwarzen Tee enthalten und geben diesem seine rot-gelbliche Färbung. Da Theaflavine aus Catechinen gebildet werden, haben sie auch ähnliche Wirkungen. Die Moleküle sind allerdings viel größer als die Catechine und können deshalb auch schlechter und nur langsamer vom Körper aufgenommen werden.  Studien konnten zeigen, dass sowohl Theaflavine als auch Catechine das Infektionsrisiko für HIV und Covid-19 verringern können.

Aminosäuren

Aminosäuren sind als Bausteine der Proteine natürlicherweise in allen Organismen enthalten. Im Tee haben sie primär einen Einfluss auf den Geschmack. Die nicht-proteinogene Aminosäure L-Theanin (also kein Bestandteil von Proteinen) scheint einen großen Anteil an der Wirkung von Tee zu haben und ist in keiner anderen Pflanze zu finden.

Theanin

Neben der aufmunternden Wirkung des Koffeins hat Tee auch eine beruhigende Wirkung. Diese kommt hauptsächlich von Theanin. Strukturell ähnelt es dem exzitatorischen Neurotransmitter Glutamat, deshalb beziehen sich die meisen Studien zu Theanin auf die neuronale Wirkung. Theanin senkt in hohen Dosen den Blutdruck und es wurde nachgewiesen, dass es sich positiv auf den mentalen Entspannungszustand auswirkt. Und wer weniger gestresst ist, ist bekanntlich gesünder und lebt länger.

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Teeplantagen finden sich vor allem im asiatischen Raum. Bild: shutterstock.com/NATNN

Antioxidative Wirkung

Vielen Lebensmitteln wird eine gesundheitsfördernde Wirkung durch Antioxidantien zugeschrieben. So auch einigen Polyphenolen im Tee. Hast du schon unseren Artikel über die Wirkung des Antioxidans Resveratrol gelesen (Link zum Artikel)? Dort erfährst du, was Antioxidantien sind und weshalb sie sich positiv auf unsere Zellgesundheit auswirken. Kurz gesagt sind Zellen bei hohem Energieaufwand ständig in einem Stresszustand. Durch diesen Stress entstehen Radikale, die schädlich für die Zellbestandteile sind. Durch Antioxidantien können diese Radikale gebunden werden und so keinen Schaden mehr anrichten. Einige Polyphenole des Tees – insbesondere des unfermentierten grünen Tees – haben einen antioxidativen Effekt und wirken schützend auf unsere Zellen und somit für unsere Gesundheit.

Autophagie-fördernde Wirkung

Im dritten Teil der Serie Hallmarks of Health (Link zum Artikel) erklären wir unter anderem den Prozess der Autophagie als gesundheitsfördernden Zellmechanismus. Jetzt fragst du dich vielleicht, was das mit Tee zu tun hat? Einiges, denn in Zellstudien konnte Catechin aus dem Tee Autophagie in Zellen aktivieren. Beim Prozess der Autophagie recycelt der Körper eigene Bestandteile, um sich selbst vor Beschädigung zu schützen. Autophagie ist ein wichtiger Bestandteil für die Gesundheit unserer Zellen, denn eine ständige Schrottablagerung würde unserem Körper schaden. Das Recycling in Form der Autophagie leert regelmäßig die Tonnen unserer Zellen. Wenn Catechin also die Autophagie in den Zellen aktivieren kann, lässt sich ein positiver Effekt des grünen Tees auf unsere Gesundheit erhoffen.

Antikarzinogene Wirkung

Die Wirkungen vom Tee auf verschiedene Krebsarten sind mit am besten untersucht. Generell hat Tee – insbesondere grüner – eine schützende Wirkung vor Krebs. Einen großen Anteil an dieser Schutzwirkung hat sicherlich die Eigenschaft der Antioxidantien. Aber auch die Regulation anderer Systeme in unserem Körper durch die vielen Inhaltsstoffe des Tees kann zur Verminderung der Krebshäufigkeit bei regelmäßigen Teetrinker:innen führen. Sowohl epidemiologische als auch Studien am Tiermodell belegen den Zusammenhang zwischen Teetrinken und geringerem Krebsrisiko.

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Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System

Bereits in den 90er Jahren wurde der Zusammenhang zwischen Polyphenolen des grünen Tees und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Damals verlief die Suche nach einem Zusammenhang ins Leere. 2018 waren dann in Tierstudien Catechine an der Reihe. Aus den Ergebnissen dieser Studie kann man durchaus ableiten, dass die Catechine des grünen Tees vor Herzproblemen schützen. Um den Spagat zu uns Menschen zu schaffen, wäre allerdings noch eine Humanstudie nötig. Allerdings gibt es – neben dem Vorteil eines leckeren warmen Getränks an kalten und müden Tagen – auch noch genügend andere Gründe, zum Tee zu greifen.

Andere Tee-Sorten

Neben der Vielfalt der klassischen Teekultur gibt es noch andere Aufbrühgetränke, die dem klassischen Tee mehr oder auch weniger ähneln. Matcha-Tee, den man bei uns meist als hippen Matcha-Latte trinkt und gut an seiner hellgrünen Farbe erkennt, besteht aus gemahlenem grünem Tee. Die Inhaltsstoffe sind also ähnlich, jedoch nimmt man alle Bestandteile in einer deutlich höheren Dosis zu sich. Der in Südamerika sehr verbreitete Mate-Tee wird hierzulande häufiger als gesüßtes Kaltgetränk getrunken. Der Tee enthält ebenfalls Koffein, über die gesundheitlichen Wirkungen ist man sich allerdings sehr uneinig. Einerseits haben Mate-Trinker:innen ein höheres Risiko für verschiedene Krebsarten, andererseits zeigten Versuche im Labor eindeutig, dass Bestandteile des Getränks Krebszellen auch abtöten können.

Sicherlich kennst auch du die Vielfalt in unseren Teeregalen. Bei so vielen Teesorten kommt wahrscheinlich die Wissenschaft nicht hinterher, alle auf ihre gesundheitliche Wirkung zu untersuchen. Allen ist aber gemeinsam, dass es sich meist um Pflanzen mit einer großen Oberfläche handelt. Folglich sind die Pflanzen einem größeren Risiko ausgesetzt, Feinstoffe aus der Umgebung aufzunehmen, die wir beim Zubereiten und Trinken des Tees wiederum zu uns nehmen. Deshalb empfehlen wir unabhängig von der Sorte des Tees unbedingt auf die Qualität zu achten.

Bei der Wirkung der Tees kommt es meistens auf die sekundären Pflanzenstoffe an und diese unterscheiden sich stark zwischen verschiedenen Blättern, Pflanzen, Knospen und Blüten. Wenn du die richtige Teesorte für dich und deinen Körper gefunden hast, verbrenn dir nicht die Zunge aus Vorfreude auf den Tee und die heilende Wirkung!

Literatur:

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Prasanth, M. I., Sundaram Sivamaruthi, B., Chaiyasut, C. & Tencomnao, T. A Review of the Role of Green Tea (Camellia sinensis) in Antiphotoaging, Stress Resistance, Neuroprotection, and Autophagy. Nutrients 11, 474 (2019).

Grafiken:

Die Bilder wurden unter der Lizenz von Shutterstock.com und Canva erworben und dementsprechend gekennzeichnet.

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Über Priska Wörl

Priska studierte zunächst Biologie und molekulare Biologie, bevor sie den Master molekulare Medizin begann. Seit sie 13 ist beschäftigt sie sich mit geschriebenen Texten - zunächst als Zeitungsträgerin. Mittlerweile schreibt Priska selbst für unterschiedliche Magazine und beschäftigt sich in ihren Texten neben der Wissenschaft auch mit psychologischen, kulturellen und gesellschaftlichen Themen.