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Was ist Resveratrol?

Was ist Resveratrol?

Die Tour de France ist eines der bekanntesten Sportereignisse der Welt. Die längste Strecke der Geschichte war sagenhafte 5745 Kilometer lang und wurde im Jahr 1926 gefahren. Neben dem berühmten Radrennen sind die Franzosen aber auch für ihren Weinkonsum, die fetthaltige Küche und ihre Langlebigkeit bekannt. Nicht umsonst gilt die Französin Jeanne Calment, mit einem unfassbaren Alter von 122 Jahren und 164 Tagen, als der älteste Mensch, der je gelebt hat. Aber jetzt mal halblang – ungesunder Lebensstil und langes Leben – das klingt doch widersprüchlich? Als mögliche Erklärung für dieses sogenannte französische Paradoxon tritt nun ein Molekül namens Resveratrol ins Rampenlicht. Bevor wir jedoch eine Antwort auf die Frage geben können, beginnen wir gemeinsam am Anfang dieser Tour.

Tourdefrance

Le Grand Départ

Unser menschlicher Körper ist ein richtiger Überlebenskünstler, wenn man sich vorstellt wie viele Prozesse tagtäglich auf molekularer Ebene stattfinden. Bei jedem einzelnen dieser Schritte kann etwas in die Hose gehen. Ein Problem ist der sogenannte „oxidative Stress“. Darunter versteht man einen Überschuss an Sauerstoffradikalen, der aufgrund natürlicher Stoffwechselvorgänge entsteht. Sauerstoffradikale sind allerdings nicht per se schädlich. In normaler Menge helfen sie Erreger, wie Bakterien oder Viren, abzuwehren. Eigentlich herrscht hier ein Gleichgewicht zwischen den Schädigungen und der Reparaturfunktion einer Zelle, doch ein molekularer Tropfen bringt die Balance zum Kippen:

Wie bei einem Platzregen im Sommer schüttet es nun in Kübeln eine große Menge an Sauerstoffradikalen. Diese Moleküle sind aufgrund ihrer chemischen Ausstattung höchst reaktiv, gehen also gerne Bindungen mit anderen Molekülen ein – unabhängig davon, ob diese sich schon in einer Bindung befinden oder nicht. Dadurch schädigen diese Radikale zelluläre Strukturen wie die Zellmembran, Proteine und selbst die DNA, den Bauplan unseres Körpers.

Doch wie schafft der Mensch das Unmögliche und meistert diese Herausforderung? Dazu stehen uns verschiedene Bewältigungsmechanismen zur Verfügung. Neben den klassischen Reparaturmechanismen der Zelle, gibt es noch das antioxidative Schutzsystem, welches uns wie ein Regenschirm Schutz vor dem Niederschlag bietet. Dabei existieren Moleküle, die sowohl einen direkten als auch einen indirekten antioxidativen Effekt ausüben. Somit schließt sich der Kreis und wir sind bei einem Vertreter dieser Helfer-Moleküle angekommen: Resveratrol. Schauen wir uns nun etwas genauer an, wie Resveratrol uns als Überlebenskünstler unterstützt.

Der direkte antioxidative Effekt – was ist ein Antioxidans?

Wie wir bereits erwähnt haben, gleicht der oxidative Stress einem plötzlichen Sommergewitter. Stellen wir uns nun vor, ein solches zieht gerade auf. Man muss schnell handeln bevor der Regen uns durchnässt – Regenschirm raus, aufspannen und abwarten bis das Unwetter vorüberzieht. Der Regenschirm spiegelt dabei den direkten Einfluss von Resveratrol wider. Dieser Effekt ist unweigerlich mit den Begriff eines Antioxidans verbunden.

Ein Antioxidans ist erstmal „anti“ – also irgendwem oder irgendwas gegenüber negativ eingestellt. Wemgegenüber, das verrät uns der zweite Wortbestandteil „-oxidans“. Dieser steht für unseren Regenbringer, das Sauerstoffradikal. Für solche Ungewitter hat der Körper also Antioxidantien, die diese Radikale fangen, binden und damit unschädlich machen. Zu den klassischen Antioxidantien werden unter anderem Vitamin A, Vitamin C und Vitamin E, sowie Beta-Caroten und Selen gezählt. Der Markt für diese Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel ist riesig. Ebenso groß war allerdings die Enttäuschung, als Studien an großen Populationen keine Vorteile einer Supplementierung von Vitaminen vorzeigen konnten. Nun reiht sich jedoch Resveratrol, durch seine hoch antioxidativen Eigenschaften, in die Gruppe der Radikalfänger ein. Laut Studien ein Regenschirm mit vielversprechenden Ergebnissen!

Resveratrol Effekt1

Der indirekte antioxidative Effekt – Was ist ein Transkriptionsfaktor?

Die schweren Regentropfen prasseln weiter hernieder. Sich unter dem Regenschirm zusammenkauernd überlegt man wie es weitergeht. Der Gedanke an Gummistiefel oder trockenen Boden scheint verlockend. Beides liegt jedoch nicht in unmittelbarer Reichweite. Es bleibt uns nichts anderes übrig als einen Freund anzurufen, der uns hilft. Dieser helfende Freund ist der Transkriptionsfaktor Nrf2. Ein Transkriptionsfaktor moduliert das „Abschreiben“ oder, wie der Experte sagt, die Transkription der DNA. Auf diese Weise beeinflusst Nrf2 Prozesse, die in Entzündungsgeschehen und oxidativen Stress involviert sind. Der Transkriptionsfaktor spielt dabei eine zentrale Rolle in der Stimulation von zellschützenden Genen als Antwort auf diese Probleme. Nrf2 kann von gewissen Stoffen aktiviert werden. Sie vermuten richtig – von unserem Resveratrol. Im Trockenen angekommen können wir nun beruhigt dem Gewitter lauschen und den Sturmböen zusehen mit dem Gefühl, dass uns nichts etwas anhaben kann.

Resveratrol Indirekt

 Französischer Wein als des Rätsels Lösung?

Das, über die Zeit, relativ breit erforschte Molekül hat seine natürlichen Vorkommen Beeren, Nüssen und sogar dunkler Schokolade. Der höchste Gehalt steckt aber in den Schalen der Trauben. Bei der Weinproduktion werden die Trauben mit Schale und Kernen für lange Zeit im Weinfass gelagert. Je länger der Saft bei der Fermentation Kontakt mit Traubenhaut und -kernen hat, desto höher ist am Ende die Menge an Resveratrol.

Aus diesem Grund ist der Resveratrol-Gehalt im Wein deutlich höher als im Traubensaft. Auch spielt die Größe der Traube und somit das Verhältnis zwischen dem Anteil der Schale und dem Fruchtfleisch eine wichtige Rolle. Zusätzlich wird der Resveratrol-Gehalt durch das Klima und die Umwelt im Anbaugebiet beeinflusst: Da Pflanzen in einem feuchten Gebiet in der Regel häufiger von Parasiten und Pilzen befallen werden, ist ihr Resveratrol-Gehalt höher. Somit hat der Pinot Noir, ein Lieblingswein der Franzosen, aufgrund seiner kleinen Traube und den günstigen Temperaturverhältnissen mit bis zu 2,78 mg pro 100 Milliliter eine sehr hohe Konzentration an Resveratrol im Vergleich zu anderen Weinen. Rechnet man das auf eine Weinflasche mit 0,7 Liter hoch, so weiß der geschulte Mathematiker, dass man bis zu 21 mg Resveratrol pro Flasche konsumiert!

Weintrauben

Was macht nun Resveratrol konkret?

Im menschlichen Körper angekommen hat das Molekül verschiedene Funktionen und Effekte. Sowohl durch direkten als auch durch indirekten Einfluss stärkt Resveratrol das antioxidative System und unterstützt dabei wichtige Schutzmechanismen. Die Liste der positiven Auswirkungen von Resveratrol auf die Gesundheit ist noch länger und wird laufend erweitert.

Jedoch berichten Studien genauso über negative Effekte der Supplementierung des Moleküls. Dabei muss man genau zwischen den Zeilen lesen, denn Resveratrol unterliegt einem sogenannten „hormetischen Effekt“. Dieser Effekt ist seit Paracelsus bekannt und sagt nichts anderes aus als „Die Dosis macht das Gift“. Es führt also nur eine höhere Dosis an Resveratrol zu diesen schlechten Resultaten. Wo liegt jedoch nun die Grenze? Als sicher geltende Dosis wurden beispielsweise 450 mg pro Tag bei einer 60 kg schweren Person empfohlen. Das entspricht 22 Flaschen Pinot Noir! Der Forschung sei Dank haben es Wissenschaftler bereits  geschafft, das Molekül zu isolieren und wir können nun die reine Form konsumieren – da hat die Leber wohl Glück gehabt.

Zielspurt der Tour de France

Die erforschten Effekte von Resveratrol begründen das große Interesse der medizinischen Forschung an der Substanz, um nachhaltig ihre Wirkungen wissenschaftlich zu untermauern. Eines bleibt aber sicher: Unser Leben ist wie die Tour de France – es gibt Höhen, genauso wie es Tiefen gibt. Der Aufstieg an den steilen Pass-Strecken ist hart und schlussendlich belohnt die Abfahrt und das Ziel die Anstrengungen. Jeder fährt die Tour des Lebens unterschiedlich. Für viele ist die Zeit das wichtigste. Während der Radprofi nach dem schnellsten Ergebnis strebt, fokussiert sich der Mensch auf die Länge des Lebens. Aber kann man den Erfolg des Lebens daran messen? Viel mehr kommt es auf den Inhalt, die Zufriedenheit und vor allem die Gesundheit an. Um es mit den Worten von Cicely Saunders zu sagen: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.

Literatur

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